Modellierung: Hier wurden und werden seit geraumer Zeit unglaublich viele Werkzeuge entwickelt, nicht nur für die UML. Hin und wieder werden schon mal Wörter neu zusammengesetzt und deren Bedeutung für allheilbringende Ansätze dann erklärt. Ob damit auch Service-orientierung in der Informations- und Kommunikationstechnologie gemeint ist, sei dem Leser frei dahingestellt. Oder trifft es eher das Service Engineering? Auch das ist frei dahingestellt. Eines wird bei den ganzen Modellierungsansätzen zu häufig doch vergessen: Die Anwender müssen diese verwenden wollen und auch verstehen. Was nützt das beste Werkzeug, wenn Anwender davon die betriebswirtschaftlichen Gesamtzusammenhänge nicht verstehen? Ich behaupte, es gibt wenige gute Werkzeuge oder gar Ansätze, die das unterstützen, Hypes lassen zur Genüge grüßen.
Was ist daran so problematisch? Mit dem heutigen Trend zu Wiederverwendung, zu Software Factories, zu modularen, ja zu kombinierbaren Geschäfts- und IT-Lösungsbausteinen werden überall gleiche Fehler gemacht. A macht es auch so, muss doch für B gut sein! Ein Ansatz, der nicht nur den Sinn und Zweck und Umsetzung modelliert, sondern auch dazu die Zweckmäßigkeit des Ganzen beurteilt, fehlt meist. Ich formuliere dazu ein alltägliches Beispiel: Geschäftsprozess Newsletter abbestellen, "eigentlich" trivial.
Wie geht es richtigerweise los?
Es geht los mit dem Verständnis des Kernproblems, alles andere ist nur Hilfsmittel für die Umsetzung.
Das fällt mir bei Newslettern in letzter Zeit sehr häufig auf. Meine E-Mail-Adresse für Newsletter hat sich durch eine eigene Domain und eigene Infrastruktur dafür geändert. Für die alte E-Mail-Adresse habe ich beim ehemaligen Provider von mir durch einen Freund, der weiterhin dort Kunde ist, eine Weiterleitung schalten können. Damit werden E-Mails an foo@altedomain.de an foo@neuedomain weitergeleitet. Und hier liegt die Krux an so einem Wechsel.
Es gibt himmelschreiend viele Anbieter (damit modellierte Lösungen) die in den Newslettern schreiben "klicken Sie hier, damit Sie aus dem Newsletter ausgetragen werden". Was passiert dann? Eine neue E-Mail wird generiert, meist an irgendeine E-Mail-Adresse nach Format unsubscribe@domain.de. Um sie abzusenden zu können, müsste aber nicht eine Weiterleitung geschaltet sein, sondern ich Zugriff auf das E-Mail-Konto haben, was ja nicht existiert. Warum gibt es keinen Link in solch einem Newsletter als Alternative oder gar eine, das ist doch immer gut, Fallback-Lösung? Z. B. in Form einer "Kontaktieren Sie unseren Kundendienst"-E-Mail-Adresse. Reagiert dann der Kundendienst auf einen weitergeleiteten Newsletter mit der Bitte um Löschung der alten E-Mail-Adresse erst beim dritten Mal, ist das schlecht fürs Image. O. k., er kann nichts dafür, es steht ja auch meist auch nicht in seiner Arbeitsanweisung...
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