Wie sagte Mel Gibson alias Nick Marshall im Film „Was Frauen wollen“ doch gleich nochmal, kurz bevor er mit einem Föhn in die gefüllte Badewanne fiel? Die meisten Unfälle passieren zuhause. Das ist nicht nur ein stilistisches Mittel, um den Esprit des Films in dieser Szene eindrucksvoll zu verstärken, sondern auch tatsächlich gelebte Realität. Egal welcher Studie man glaubt, ca. drei Viertel aller Unfälle passieren zuhause, in der Freizeit oder beim Sport; aber weniger als 10 Prozent im Straßenverkehr. Herd, Föhn und Säge sind demzufolge kein Spielzeug und erfordern besondere Obacht. Menschen sind aber keine deterministisch funktionierenden Maschinen, sondern eigenwillig, emotional, charismatisch, vergesslich – sicher haben Sie gerade ein weiteres Adjektiv vor dem geistigen Auge.
Emotional heißt z. B., dass man durchaus manchmal eine Kerze nicht löscht, weil man besseres in dem Moment zu tun hat. Was passiert aber, wenn in der Nähe Brennstoffe – Motto morgen, morgen, nur nicht heute – nicht sachgemäß gelagert sind? Wenn dann ein ungünstiger Umstand dem anderen folgt, Murphys Gesetz lässt grüßen, führt das zu einem Eintrag in der jährlichen Statistik der Brandopfer. Das Leben deswegen so zu planen, dass jeder Schritt exakt im Voraus bekannt und akribisch abgesichert ist, ist die eine Möglichkeit. Weiterhin ab und zu zum Beispiel einen Termin für ein Abenteuer sausen oder eine Kerze in einem Moment einfach brennen zu lassen und zu leben, ist die andere. An alles Mögliche denken zu wollen, wäre sowieso eine Sisyphusarbeit. Wie oft machen zum Beispiel Kinderhände etwas zunichte (dass sie aber meistens mit einem Lächeln danken)? Mit anderen Worten: Immerhin 10 Prozent aller Brände werden durch Kinder ausgelöst.
Was sich bei Kindern vielleicht durch einen Babysitter verhindern lässt, geht im Schlaf nicht. Im Schlaf riecht man nichts. Man riecht kein Parfüm, das hilft höchstens für luzides Träumen, und man riecht auch keinen Rauch, wenn es brennt. Das fatale ist, dass der Großteil der Brandopfer nicht durch das Feuer an sich umkommt, sondern schlichtweg einfach erstickt. Es zählt jede einzelne Sekunde. Dichter Rauch lässt Menschen nach nur wenigen Minuten die Orientierung verlieren und sobald ein Schwelbrand in offenes Feuer übergegangen ist, bleiben meist nicht einmal zwei Minuten mehr zur Flucht. Viel schlimmer noch ist aber das Kohlendioxid und das Kohlenmonoxid. Das letzere bindet 325-mal stärker als Sauerstoff an den Blutfarbstoff Hämoglobin. Anders gesagt, kann schon bei sehr geringen Dosen Kohlenmonoxid Hämoglobin nicht mehr seine Aufgabe des Sauerstofftransportes zu den Zellen durchführen, weil die Bindungsstellen mit Kohlenmonoxid belegt sind. Jedes Luftholen bringt den Menschen ein Stückchen näher an eine Bewusstlosigkeit oder noch Schlimmerem, denn Kohlenmonoxid ist vollkommen geruch-, geschmack- und farblos. Viele Systeme wie z. B. Durchlauferhitzer erkennen zu hohe Konzentrationen von Kohlenmonoxid. Das ist schon ca. zwei Jahrzehnte gesetzlich vorgeschrieben und sehr sinnvoll, da sich beispielsweise Vögel in Abzügen einnisten können.
Egal, ob Fahrlässigkeit wie bei außer Acht gelassenen Kerzen, ein technischer Defekt eines Gerätes im Standby oder sogar ein explodierender Akkumulator einen Brand auslöst, schlimmen Brandfolgen kann vorgesorgt werden. Rauchmelder sind heutzutage in den verschiedensten Versionen schon ab nur ca. 5 Euro im Handel erhältlich. Das besondere an ihnen ist ihr sprichwörtlich ohrenbetäubender Lärm, der mit vorgeschriebenen mindestens 85 Dezibel auch fest Schlafende sicher weckt. Wichtig ist, nicht an der falschen Stelle, dem Leben, zu sparen und prinzpiell nur geprüfte Rauchmelder mit VdS-Prüfzeichen oder GS-Siegel zu erwerben. Betrugsfälle hat es durch Produktpiraterie bei Rauchmeldern, wie im restlichen Wirtschaftsleben auch, durch nachgemachte Siegel schon gegeben. Da könnte man möglicherweise an einen „Test“ denken. Zigarettenqualm oder Autoabgase lassen in unmittelbarer Nähe Rauchmelder zwar ansprechen, diese verlieren durch enthaltene Schwebeteilchen ihre Zuverlässigkeit und gehören danach demzufolge in den Elektronikschrott. Besser ist also eine Information vor einem Kauf. Etwas teurer als Rauchmelder sind die Melder, die Kohlenmonoxid erkennen. Mindestens in der Nähe eines nicht gegen Kohlenmonoxid gesicherten Kamins oder Kaminofens sollte solch ein Kohlenmonoxid-Melder installiert werden. Doch auch in der Nähe von Gasthermen ist der Einsatz eines solchen Gerätes durchaus sinnvoll, wenn eine Gastherme z. B. im Keller zwar eine Abgasstörung anzeigt, aber niemand darauf reagiert – ein nervtötender, beständig lauter Ton verhindert das sicher. Wer ganz sicher gehen, will, kann sie auch in jeder Nähe eines Abzugs installieren. (Vgl. dazu hier, hier und hier.)
Hätten Sie gewusst, dass Deutschland bei der gesetzlichen Rauchmelderpflicht im Vergleich zu anderen Industriestaaten einfach nur unter „ferner liefen“ rangiert? Während in Großbritannien oder den USA der überwiegende Teil der Haushalte mit Rauchmeldern ausgestattet ist, ist das in Deutschland Ländersache und in den wenigsten Ländern wiederum auch vorgeschrieben. Nur ca. 10 Prozent der privat genutzten Gebäude sind mit einem Rauchmelder ausgestattet. Einer Freiheit über den Einsatz bzw. Kaufs eines Rauchmelders selbst zu entscheiden, stehen Statistiken entgegen, die die Verringerung der Brandopfer um ca. die Hälfte in den Staaten mit einer gesetzlichen Vorschrift zu Rauchmeldern ausweisen. Vielleicht lässt das die Kritiker von Rauchmeldern genauso verstummen, wie auch die Kritiker der Anschnallpflicht, die sich 1976 bei der Einführung bis hin zur (erfolglosen) Verfassungsklage dagegen gewährt haben.
1903 wurde der Mehrpunkte-Gurt erfunden, 1957 war er bei Volvo aus Schweden längst Standard und rettet heutzutage statistisch gesehen alle 7 Sekunden ein Leben. Denken Sie auch deswegen mindestens genauso lange darüber nach, ob Sie nicht mindestens ein paar Euro in Rauchmelder und vielleicht noch ein paar Euro mehr in Kohlenmonoxidmelder investieren. Für „Geeks“ gibt es die Überwachungstechnik sogar mit Funkanbindung.